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Musikalische Darbietung „Homo Asphaltus“

theater
Preis der Veranstaltung
19.20 - 21.20
Datum der Veranstaltung
2026-04-26 19:00 Zu 20:30

über

Der Kontrast zwischen Stadt und Land ist ein häufiges Motiv in der litauischen Literatur, doch nun erleben Texte landloser Autoren eine Art Renaissance. In der litauischen Literatur bezeichnen wir jene Autoren als landlos, die im Exil wirkten und eine tiefe Sehnsucht nach ihrer Heimat, genauer gesagt nach Litauen, verspürten. Viele von ihnen wanderten in die Großstädte aus und gaben ihr beschauliches Landleben in Litauen auf. Dieses Werk wurde vor allem von Jonas Mekas und seinem Theaterstück „Der Anfang vom Anfang“ inspiriert.

J. Mekas reflektierte in vielen seiner Werke die Themen Exil, Identität, Nostalgie und Anpassung in einer fremden Kultur. Von J. Mekas inspiriert zu sein bedeutet, dass wir von seinen persönlichen Erfahrungen, dem Gefühl des Exils und der Einsamkeit, der Sehnsucht nach der Heimat, der Suche nach Identität, der Vergänglichkeit der Zeit und anderen existenziellen Fragen berührt werden, die sich einem Menschen stellen, der sich an einem Scheideweg historischer Wendepunkte in einer kriegszerstörten Welt wiederfindet, die Parallelen zur heutigen Welt aufweist. Inspiriert sind wir von J. Mekas' Theaterstück „Der allererste Anfang vom Anfang“ und seiner Fähigkeit, den menschlichen Blick auf die pulsierende, lebendige Natur im Hier und Jetzt zu lenken, die ohne menschliches Zutun, ohne die Anstrengung des Geistes existiert.

Indem wir auch Texte anderer im Ausland lebender Litauer verwenden, die bereits zu Klassikern geworden sind – Antanas Škėmas „Balta drobulė“, Alfons Nykas-Niliūnas’ „Eldorado“ oder Kazys Bradūnas’ „Donelaičio kapas“ –, antworten wir dem heutigen Menschen, den wir „Homo asfaltus“ nennen. Diese Schriftsteller gelten in der Literatur als heimatlos, da sie alle im Exil, zumeist in Großstädten weltweit, wirkten. Und wir übertragen dieses Gefühl – die Sehnsucht nach ihrer Heimat – auf den heutigen Homo asfaltus, der sich in einer globalisierten Welt wie ein Exilant fühlt und nach sich selbst sucht.

Homo asphaltus reitet Bolt hin und her, genau wie Garšva (A.Škėmas "Drobulė") in einem Aufzug auf und ab fährt und dabei jeglichen Sinn für Bedeutung verloren hat.

Homo asphaltus lebt inmitten des Weltuntergangs aufgrund des andauernden Krieges und kann sich dennoch nur um verwelkte Begonien kümmern.

Homo asfaltus lebt, ohne das Gefühl von Heimat, von seinem Land zu haben, und zweifelt, ob unter dem Asphalt überhaupt noch Land ist?

„Das Gefühl vom Ende der Welt, in der wir leben, ist heute eine Chance für den Beginn einer neuen Welt. Wir haben die Vernunft überschätzt und drehen uns deshalb ständig im Kreis der Hölle, aber es gibt immer noch Konstrukte, die uns zur Natur zurückführen, eines davon ist die Schwangerschaft“, sagt Regisseurin Giedrė Kriaučionytė-Vosylienė.

Das von Laura Švedaitė verfasste Libretto erzählt die Geschichte einer Frau, die in der Stadt lebt und auf einer Brücke steht, fest entschlossen zu tanzen. Von den Menschen um sie herum erfährt sie, dass sie schwanger ist, da sie es selbst nicht bemerkt hat. Dieses Ereignis lenkt ihren Blick auf die Welt – „In was für eine Welt werde ich mein zukünftiges Kind setzen?“ Ihre Welt ist die Stadt, in der sie lebt – eine Allegorie der Hölle – unerträglich heiß, und wer durch sie irrt, dreht sich im Kreis aus Wut, Gier und Lügen. Die Stadt wird von Obdachlosen beherrscht. Menschen, die kein Zuhause haben und nur einen Platz zum Schlafen für die nächste Nacht suchen. Die schwangere Stadtbewohnerin verspürt die Sehnsucht nach der Natur, denn solange sie in der Stadt ist, fühlt sie sich wie aus ihrem natürlichen Zustand – dem Leben in der Natur – verbannt. In der Stadt begegnet sie einem barfüßigen alten Mann. Er fragt: „Bin ich die letzte Generation, die barfuß geht?“ Sie rennt los und findet sich im Wald wieder. Hier zieht sie ihre Schuhe aus und spürt, wie die Natur zu ihr spricht. Schließlich setzen die Wehen ein und der Regen strömt herab. Ein neuer Mensch markiert einen neuen möglichen Anfang und einen neuen Lebensabschnitt.

Die Musik von Dominykas Digimas ist eine Reise durch die Rhythmen der Gegenwart, die den Homo asfaltus berühren sollen. Moderne Musik, ohne Subtilität, muss laut und intensiv klingen, um den Homo asfaltus aus seiner Starre zu reißen, ihn wie aus einem Traum der Gefühllosigkeit zu erwecken. Sie ist zugleich eine Reise durch das nationale Erbe – den Klang von Sutartinen, Kanklės und Birbynias, Musik, die der Homo asfaltus kennt, aber vergessen hat und die Erinnerungen weckt. Eine Reise in die wortlose Ebene der Musik, ins Archaische, wo nur der Klang bleibt und die Worte verschwinden, wo nur Gefühle und die Hoffnung auf einen Neubeginn wirken.